HoeMaFG/D-03-10

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Inhaltsverzeichnis

Der Zentrale Grenzwertsatz

Die Hauptaussage dieses Abschnittes ist, dass die Wahrscheinlichkeitsverteilung einer Summe von Zufallsvariablen in vielen Fällen unter bestimmten Voraussetzungen als annähernd normalverteilt betrachtet werden. Um diese Aussage zu präzisieren, benötigen wir folgende Definition:


Definition

Sei LaTeX: (\Omega,\mathcal{E},p) ein Wahrscheinlichkeitsraum und LaTeX: X:\Omega\rightarrow\mathbb{R} eine Zufallsvariable mit Erwartungswert LaTeX: \mu und Varianz LaTeX: \sigma^{2}>0. Wir setzen

LaTeX:  X^{\star}:=\frac{X-\mu}{\sigma}


und nennen LaTeX: X^{\star} standardisierte Zufallsvariable.


Satz

Sei LaTeX: (\Omega,\mathcal{E},p) ein Wahrscheinlichkeitsraum und LaTeX: X:\Omega\rightarrow\mathbb{R} eine Zufallsvariable mit LaTeX: E(X)=\mu und LaTeX: V(X)=\sigma^{2}>0. Für die standardisierte Zufallsvariable LaTeX: X^{\star} gilt:

LaTeX:  E(X^{\star})=0\qquad\text{und}\qquad V(X^{\star})=1


Bemerkung:

Für unabhängige Zufallsvariablen LaTeX: X_{i}:\Omega\rightarrow\mathbb{R} mit LaTeX: i\in\left\{ 1,\dots,k\right\} und LaTeX: E(X_{i})=\mu und LaTeX: V(X_{i})=\sigma^{2} für alle LaTeX: i\in\left\{ 1,\dots,k\right\} gilt:

LaTeX:  E\left(\sum_{i=1}^{k}X_{i}\right)=k\mu\qquad\text{und}\qquad V\left(\sum_{i=1}^{k}X_{i}\right)=k\sigma^{2}

Die Aussagen folgen aus der Linearität des Erwartungswertes und aus der Bienaymeschen Gleichung.


Satz (Zentraler Grenzwertsatz)

Seien LaTeX: X_{i}:\Omega\rightarrow\mathbb{R}, LaTeX: i\in\mathbb{N} (stochastisch) unabhängige Zufallsvariablen auf dem Wahrscheinlichkeitsraum LaTeX: (\Omega,\mathcal{E},p) mit LaTeX: E(X_{i})=\mu und LaTeX: V(X_{i})=\sigma^{2}>0 für alle LaTeX: i\in\mathbb{N}. Dann gilt für alle LaTeX: t\in\mathbb{R}:

LaTeX: \lim_{n\rightarrow\infty}P\left(\left\{ \omega\in\Omega|\frac{\sum_{i=1}^{n}X_{i}-n\mu}{\sqrt{n}\sigma}\leq t\right\} \right)=\phi(t)=\frac{1}{\sqrt{2\pi}}\intop_{-\infty}^{t}\mathrm{e}^{-\frac{1}{2}x^{2}}\mathrm{d}x

Wir sagen: Die standardisierte Summe von n unabhängigen Zufallsvariablen mit demselben Erwartungswert und derselben Varianz ist asymptotisch Standardnormalverteilt.


Bemerkung I:

Die Summe LaTeX: S_{n} von n unabhängigen Zufallsvariablen LaTeX: X_{1},\dots,X_{n} mit dem gleichen Erwartungswert LaTeX: \mu und der gleichen Varianz LaTeX: \sigma^{2} ist für hinreichend großes n annähernd normalverteilt mit dem ErwartungswertLaTeX: E(S_{n})=n\mu und der Varianz LaTeX: V(S_{n})=n\sigma^{2}.


Bemerkung II:

Wir bezeichnen mit LaTeX: \overline{X}^{(n)} das arithmetische Mittel von n Zufallsvariablen LaTeX: X_{1},\dots,X_{n}. Ist LaTeX: E(X_{i})=\mu und LaTeX: V(X_{i})=\sigma^{2}>0 für alle LaTeX: i\in\left\{ 1,\dots,n\right\} , so gilt

LaTeX:  \overline{X}^{(n)\star}=S_{n}^{\star}


Bemerkung III:

Seien LaTeX: X_{i}, LaTeX: i\in\mathbb{N} unabhängige Zufallsvariablen mit existierenden Erwartungswerten LaTeX: E(X_{i})=\mu_{i} und Varianzen LaTeX: V(X_{i})=\sigma_{i}^{2}>0. Unter geeigneten Voraussetzungen können wir zeigen: Die Verteilungsfunktion der standardisierten Summe der LaTeX: X_{i},

LaTeX: S_{n}^{\star}=\frac{\sum_{i=1}^{n}X_{i}-\sum_{i=1}^{n}\mu_{i}}{\sqrt{\sum_{i=1}^{n}\sigma_{i}^{2}}}

konvergiert für LaTeX: n\rightarrow\infty punktweise gegen die Verteilungsfunktion LaTeX: \phi(t) der Standardnormalverteilung. D.h.

LaTeX:  \lim_{n\rightarrow\infty}P\left(S_{n}^{\star}\leq t\right)=\phi(t)=\frac{1}{\sqrt{2\pi}}\intop_{-\infty}^{t}\exp\left(-\frac{1}{2}\xi^{2}\right)\mathrm{d}\xi

Dies bedeutet: Die Summe LaTeX: S_{n} von n Zufallsvariablen LaTeX: X_{1},\dots,X_{n} mit existierenden Erwartungswerten LaTeX: E(X_{1})=\mu_{1},\dots,E(X_{n})=\mu_{n} und Varianzen LaTeX: V(X_{1})=\sigma_{1}^{2}>0,\dots,V(X_{n})=\sigma_{n}^{2} ist für hinreichend großes n annähernd normalverteilt mit dem Erwartungswert

LaTeX:  E(S_{n})=\sum_{i=1}^{n}\mu_{i}

und der Varianz

LaTeX:  V(S_{n})=\sqrt{\sum_{i=1}^{n}\sigma_{i}^{2}}


Bemerkung:

Der Grenzwertsatz von Moivre-Laplace für eine binomialverteilte Zufallsvariable LaTeX: X mit den Parametern n und LaTeX: P ist eine Folgerung des zentralen Grenzwertsatzes. Es gilt: Die Verteilungsfunktion LaTeX: F_{n}(t) der standardisierten Zufallsvariablen

LaTeX:  X^{\star}=\frac{X-np}{\sqrt{np(1-p)}}

konvergiert für LaTeX: n\rightarrow\infty gegen die Verteilungsfunktion LaTeX: \phi(t) der Standardnormalverteilung LaTeX: N(0;1).

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